Die mutigsten Träume enden nicht sondern beginnen mit dem Aufwachen

Es waren wunderbare 3 ½ Jahre. Der Traum vom eigenen wunderschönen Laden nur mit Dingen bestückt die ich liebe. Sich ausschließlich den Themen zu widmen die einem Freude bereiten, liebe Leute kennenlernen, mit interessierten Kunden, Partnern und Nachbarn zu plaudern, das eigene Viertel mitgestalten und jeden Tag voll Freude die Geschäftstüre aufsperren. Das NØRD.

Ich bereue es keineswegs den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt zu haben und hab viel daraus gelernt. Jedem, der für sich selbst diesen Schritt in Erwägung zieht möchte ich nach wie vor dazu raten sich zu verwirklichen. Viele Freunde habe ich in dieser Zeit auch dabei begleitet und unterstützt so gut ich konnte. Mit meiner Erfahrung in Öffentlichkeitsarbeit, Online-Marketing, Social Media, Aufbau und Abwicklung eines Web-Shops, meinem guten Netzwerk und mit meinem Wissen über alle organisatorischen und administrativen Hürden, die eine Selbstständigkeit im Handel so mit sich bringt.

Leider ist der Punkt erreicht an dem ich mir eingestehen muss „es geht nicht mehr“ und schweren Herzens beende ich das Abenteuer NØRD noch im Februar. Ich habe erkannt, dass ich auf Dauer alleine so nicht mehr weiter komme und meine Erfahrung und mein Engagement lieber wieder mit und für andere einsetzen möchte. Nun bin ich also auf der Suche nach einer neuen, spannenden Herausforderung die ich hoffentlich in Linz finden werde.

Bei allen KundInnen, FreundInnen, MitstreiterInnen und UnterstützerInnen bedanke ich mich recht herzlich. Es hat mir immer viel Freude gemacht mit Euch und ich hoffe, dass ihr mich beim großen GOOD BYE SALE ab Donnerstag, 09.02 nochmals besuchen kommt.

Erfahrungen, auch die nicht so schönen, gehören geteilt finde ich und daher hab ich ein paar ehrliche Punkte zusammengestellt, die man sich als NeugründerIn zu Herzen nehmen sollte. Die Fehler anderer muss man nicht unbedingt wiederholen 🙂

1. Freundet Euch gleich von vorneherein mit dem Gedanken an, dass es trotz aller Anstrengung und Herzblut auch einfach nicht funktionieren kann und entwickelt frühzeitig einen Plan B. Setzt Euch mit dem Gefühl des Scheiterns auseinander und habt keine zu große Angst davor.

2. Macht Euch bewusst, dass die Selbstständigkeit Eure ganze Aufmerksamkeit fordern wird, zumindest eine ganze Zeit lang, und versucht Euch für zumindest ein Jahr komplett von anderen Verpflichtungen freizuschaufeln. Ihr werdet in der ersten Zeit nicht viel und wenn, nicht gut schlafen. Ihr werdet manchmal Angst bekommen und unsicher sein, das ist normal. Eure Partnerschaft, Familie und Freunde werden eine ganze Zeit lang zu kurz kommen. Macht Euch mögliche Konsequenzen daraus bewusst.

3. Holt Euch Unterstützung. Versucht sobald es sich irgendwie ausgeht, Aufgaben abzugeben, die ihr nicht unbedingt selbst ausführen müsst. Eure Aufgabe liegt darin, Euer Konzept ständig weiter zu entwickeln, zu adaptieren, zu verfeinern oder evtl. sogar ganz umzustellen, neue Kunden, Partner, Produkte und Vertriebswege zu finden. Gönnt Euch dabei keine Pause und verzettelt Euch nicht mit den Aufgaben aus dem Tagesgeschäft.

4. Werdet nicht „unersetzbar“ für Euer Unternehmen. Es kann passieren, dass ihr Euch eine Zeit lang, oftmals durch externe Gründe bedingt, nicht zu 100% kümmern könnt. Das rächt sich leider sehr schnell und sehr gnadenlos, also versucht, dass der Laden auch eine Zeit lang ohne auch laufen könnte.

5. Es kann passieren, das Ihr nach einer Zeit feststellt, dass Euer Traum doch nicht ganz so traumhaft ist und vielleicht (zu viele) Schattenseiten beinhaltet. Zu viel Stress, zu viele Stunden, zu wenig Geld, zu viel Unsicherheit, zu viele Existenzängste, zu wenig Zeit für sich und Eure Lieben, zu viele Aufgaben, die Euch keinen Spaß machen aber sein müssen. Wenn Ihr über längere Zeit keine Freude mehr daran habt, Durchhänger sind allerdings normal, dann siehe Punkt 1. Manchmal war es einfach noch nicht ganz das Richtige, das merkt man leider halt erst nachdem man es versucht hat.

6. Wenn ihr merkt es funktioniert nicht (mehr) oder es macht einfach keinen Spaß mehr, dann zieht so schnell wie möglich die Notbremse und gesteht Euch ein „es geht nicht mehr“. Ich weiß, Euer Herzblut wird drinnen stecken und ihr werdet alles tun wollen Euren Traum am Leben zu erhalten. Ihr werdet Eure Ersparnisse investieren, Ihr werdet Geld borgen oder Kredite Aufnehmen, ihr werdet mit Einkünften aus Nebentätigkeiten querfinanzieren…. tut das nicht. Wenn es sich auf Dauer nicht ausgeht dann siehe Punkt 1.

Zum Abschluss wünsche allen selbstständigen MitstreiterInnen, besonders meinen lieben Nachbarn in der wunderbaren Altstadt, alles Gute und viel Erfolg weiterhin. Bleibt dran und lebt Euren Traum!

Alles Liebe, Silvia